Was ist trans* für uns?

Trans* bezeichnet den Widerspruch zwischen dem selbst erlebten Geschlecht und der bei Geburt zugeschriebenen Geschlechtszugehörigkeit. Die Bestimmung der Geschlechtszugehörigkeit kann nur über die Selbstbeschreibung erfolgen. Ein Mädchen, das bestimmte körperliche („männliche“) Merkmale hat, nennen wir in diesem Zusammenhang trans* Mädchen und einen Jungen mit bestimmten körperlichen („weiblichen“) Merkmalen, z.B. den Genitalien, einen trans*Jungen.

Es werden in diesem Zusammenhang vielfältige Begriffe verwendet (zum Beispiel: Transsexualität, Transgender, Transidentität). Einige Begriffe sind immer wieder zu finden und werden daher nachfolgend aufgeführt und kommentiert. Dabei steht für uns nicht die theoretische Diskussion im Vordergrund, sondern uns geht es darum, das Kind bzw. den jungen Menschen gemäß seines Selbstverständnisses bezüglich seines Geschlechtes mit Respekt zu behandeln.

Insbesondere in der Medizin werden häufig Begriffe wie Transsexualität und Geschlechtsidentitätsstörung verwendet, um trans* aus medizinischer Sicht als psychische Krankheit zu beschreiben. Wir halten diese Sichtweise für unethisch und diskriminierend und verwenden diese Begriffe nicht, um die geschlechtliche Identität eines Menschen zu beschreiben. trans*-Sein ist keine Krankheit, sondern eine Variante geschlechtlicher Vielfalt. Immer häufiger trifft man auf den Begriff Geschlechtsdysphorie (im Englischen Gender-Dysphoria), mit dem das Unbehagen über die körperlichen Geschlechtsmerkmale bezeichnet wird, also trans* auch als psychisches Problem beschreibt. Unserem Verständnis nach ist trans* kein „psychisches Problem“. Kinder können trans* sein, ohne ein Unbehagen über ihre körperlichen Geschlechtsmerkmale zu empfinden. Und hierin spiegelt sich die Vielfalt menschlicher Geschlechtlichkeit wider.

trans* ist keine Variante der sexuellen Orientierung. Bei der sexuellen Orientierung geht es um sexuelle Attraktivität und Präferenzen, bei trans* geht es um die geschlechtliche Identität eines Menschen. trans*Menschen können, wie alle Menschen hetero, homo-, bi- oder auch asexuell sein.

Für uns stehen die Bedürfnisse unserer Kinder im Vordergrund, die sie im Hier und Jetzt äußern. Dazu gehört zu allererst die Anerkennung der von ihnen benannten Geschlechtszugehörigkeit, des gewählten Geschlechtsausdruckes und, wenn dies vom jugendlichen Menschen gewünscht, die Angleichung der körperlicher Erscheinung an seine Geschlechtswahrnehmung. Dadurch können Jugendliche oftmals ab Eintritt in die Pubertät auf medizinische Behandlung angewiesen sein. Wir sind überzeugt, dass dafür nur eine ergebnisoffene Begleitung der Kinder und zu späterem Zeitpunkt (Einsetzen der Pubertät) auch unterstützende Behandlung gemäß der von den Jugendlichen geäußerten Geschlechtszugehörigkeit durch fachkundige Ärztinnen und Ärzte in Frage kommen. Wenn die psychische Belastung, sei es durch eigene Unsicherheit, Spannungen innerhalb der Familie oder Mobbing in der Schule oder am Ausbildungsplatz ansteigt, ist es sinnvoll, Beratung und Behandlung durch dem Thema positiv gegenüberstehende und psychotherapeutisch ausgebildete Fachpersonen in Anspruch zu nehmen.

Wir betrachten trans* nicht als Krankheit. Bisher konnte kein wissenschaftlicher Nachweis für die Behauptung, trans* sei eine Krankheit, erbracht werden. Daher lehnen wir alle Behandlungsansätze strikt ab, bei denen Versuche unternommen werden, Kinder und Jugendliche mit psychiatrischen oder anderen Mitteln dazu zu bewegen, ihren Geschlechtsausdruck und ihre Geschlechtswahrnehmung dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht anzupassen. Internationale Studien belegen die Wirkungslosigkeit solcher „Behandlungen“ und verweisen auf erhebliches Gefährdungspotential für die Kinder und Jugendlichen, die solch einem Regime unterworfen werden.